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Die Nachbarschaften

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Die Weststadt ist eine Planstadt. Sie ist aufgeteilt in fünf sogenannte Nachbarschaften, der I. (auch Rothenburg), der II., der III. (auch Rheinringgebiet), der IV. und der V. Nachbarschaft (auch Donauviertel) und dem Bereich Z, in dem sich die öffentlichen Einrichtungen befinden. Jede Nachbarschaft – mit Ausnahme der IV. Nachbarschaft, die ein gemeinsames Einkaufszentrum mit der II. Nachbarschaft hat – hat ihr eigenes Einkaufszentrum. Die Weststadt ist aber auch wie eine Trabantenstadt konzipiert, was sich unter anderem im Straßenaufbau widerspiegelt. Von der Innenstadt Braunschweigs kommend, verläuft eine Hauptstraße (Münchenstraße), die sich dann in der Weststadt in zwei weitere (Elbestraße und Donaustraße) verzweigt. Diese bilden die wichtigsten Verkehrsachsen innerhalb der Weststadt. Das ganze Verkehrsnetz ist so ausgerichtet, dass der Verkehr auf diese zwei Hauptachsen zuläuft und somit zur Innenstadt geleitet wird. Dies ähnelt dem Verlauf von kleinen Flüssen, die nach und nach in einen größeren Fluss fließen. Diese Straßen tragen bis auf einige Ausnahmen den Namen von deutschen Flüssen, wobei auch auf geografische Lagen der Flüsse geachtet wurde. So findet man beispielsweise die Isar-, Inn-, und Lechstraße an der Donaustraße, so wie die Isar, der Inn und der Lech Nebenflüsse der Donau sind. Weitere Straßennamen leiten sich von Flurbezeichnungen und Personennamen ab. Einige weitere Straßen und die wenigen Straßen, die in den 1990er Jahren neu entstanden sind, tragen Ortsbezeichnungen. Im Süden wird die Weststadt durch einen Grünstreifen vom Stadtteil Broitzem getrennt, dem Donaupark, er folgt dem Verlauf einer Hochspannungsleitung. Charakteristisch für den Stadtteil sind die in großer Vielzahl angelegten Wegeverbindungen für Fußgänger und Radfahrer. Markantes Merkmal sind die vom weiten erkennbaren drei 43 Meter hohen baugleichen Hochhäuser an der Emsstraße.

Die beiden ersten Nachbarschaften entstanden ab 1960. Die I. Nachbarschaft war Ende der 1960er schon fast abgeschlossen. Beim Bau bevorzugte man vor allem Häuser in Zeilen- und Kammbauweise. Hier entstanden die ersten Einkaufsmöglichkeiten, anfangs noch in einer Baracke am Queckenberg, dann ab 1963 an der Donaustraße, später folgten ab 1965 weitere Läden an der Illerstraße. Die Baracke diente später dann von 1966 bis 1969 als provisorische Kirche für die evangelische Gemeinde, und von 1969 bis 1972 für die katholische Gemeinde. Der Behelfsbau wurde schließlich als Jugendzentrum genutzt. Erste Möglichkeiten für sportliche Betätigungen ermöglichte der Sportplatz der ehemaligen Kaserne in der V. Nachbarschaft; er wurde vor allem für Fußballspiele genutzt. 1963 wurde die erste Volksschule im Stadtteil eröffnet, 1964 der erste Kindergarten der Weststadt an der Donaustraße.

Die IV. Nachbarschaft ist der nordöstliche Teil der Weststadt rund um die Emsstraße. Der Bebauungsplan wurde 1971/72 entwickelt. Zuständig war die Baugesellschaft Neue Heimat. Hier entstanden auch die drei 43 Meter hohen Hochhäuser; ursprünglich sollten sogar fünf errichtet werden. Die Architektur dieses Bereiches erfuhr viel Kritik. Die Straßen sind vornehmlich nach den Nebenflüssen der Ems benannt.

Die II. Nachbarschat bildet den südwestlichen Teil der Weststadt. Ab 1974 wurde hier das überdachte zentrale Einkaufszentrum der Weststadt mit einem Marktplatz errichtet. Unmittelbar daneben wurde 1983 die evangelische Emmauskirche errichtet. Vorwiegend stehen hier Häuser mit Flachdächern, deren Fassaden mit roten Platten verkleidet sind.

Seit 1977 findet auf dem Marktplatz jeden Donnerstag ein Wochenmarkt statt.

Die III. Nachbarschaft der Weststadt wurde als letztes begonnen. Hier sollten eigentlich den Planungen nach große und höhere Wohnblöcke mit elf Stockwerken entstehen. Der Bebauungsplan wurde jedoch nicht von der Aufsichtsbehörde genehmigt. Man wollte nicht die monotone Bauweise der IV. Nachbarschaft wiederholen und Hochhäuser kamen allmählich in den Verruf, die Anonymität der Bewohner zu fördern. Der Bau der letzten Nachbarschaft begann Mitte der 1970er Jahre, gleichzeitig entstand das Einkaufszentrum. Die freigelassene Fläche für eine katholische Gemeinde wurde nie mit einem Kirchengebäude bebaut. 1996 wurde sie dem Kinderheim St. Nikolaus überlassen. Die Nachbarschaft wird heute nach der Hauptstraße, dem Rheinring, Rheinringgebiet genannt. Im nordwestlichen Teil wurden hauptsächlich Einfamilienhäuser errichtet.

Das „Z“ steht für Zentraler Bereich oder Zentrum. In diesem Bereich der Weststadt konzentrieren sich eine Vielzahl öffentlicher Einrichtungen. Hier entstanden seit den 1970er Jahren rund um den Alsterplatz eine Integrierte Gesamtschule, die Wilhelm-Bracke-Gesamtschule (1974), eine öffentliche Bücherei (1975), ein Jugendzentrum („Rotation“; 1984), ein Polizeikommissariat (1987), ein Kindergarten (1992) und eine Grundschule (Grundschule Rheinring; 1999). Geplant waren auch ein Schwimmbad und ein Gebäude für eine gymnasiale Oberstufe. Diese Vorhaben sind zwar nicht verworfen worden, können aber vor allem aus finanziellen Gründen in naher Zukunft nicht umgesetzt werden. Vorbehaltsflächen sind vorhanden. Die gymnasiale Oberstufe ist derzeit im Gebäude der IGS untergebracht.

Im Flächennutzungsplan der Stadt Braunschweig (seit 1974) wurden der Weststadt im Südwesten weitere Wohnbauflächen zugewiesen (VI. Nachbarschaft). So könnte dort in Zukunft ein Neubaugebiet entstehen, das die Weststadt um weitere Wohnflächen erweitert.

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