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Die Entstehung der Weststadt

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Wie alles begann

Das fünftgrößte Baugebiet der damaligen Bundesrepublik entstand in den 60er Jahren im Südwesten Braunschweigs (siehe auch die Nachbarschaften). Begrenzt durch den Timmerlaher Busch, die Bahnlinie im Süden, die alte Frankfurter Straße im Osten und den Madamenweg im Norden. Die heutige Wohnqualität in dem größten Stadtteil Braunschweigs (ca. 24.000 Einwohner) ist sehr gut. Mit dem Timmerlaher Busch und dem immer mehr an Gestalt annehmenden Naturschutzgebiet Westpark, ist der Erholungswert für die Bürger als hervorragend zu nennen. 1972 erhielt der Stadtteil offiziell den Namen Weststadt.

Seit 2007 besitzt die Weststadt ein eigenes Wappen

Entwicklung:
Arnold Rabbow
Casparistr.3
38100 Braunschweig

Beschreibung: In Grün unter einem erhöhten silbernen (weißen) Wellenbalken ein silberner (weißer) junger, wachsender, dreiblättriger Baum. Begründung: Die Weststadt ist der jüngste Stadtteil Braunschweigs. Mit dem Westpark und vielen anderen Grünanlagen ist er überdies ein Stadtteil im Grünen. Diese Identität wird durch den aus dem Schildfuß wachsenden jungen Baum symbolisiert. In der Weststadt sind die meisten Straßen nach Flüssen (zur Zeit 75) benannt. Diese Besonderheit wird nach dem Grundsatz „pars pro toto“ (ein Teil [steht] für das Ganze) durch den Wellenbalken versinnbildlicht. Diese Natursymbole und die grüne Farbe der Hoffnung verdeutlichen die Hoffnung der Einwohner auf ein weiteres gedeihliches Wachstum des Stadtteils in einer friedlichen Zukunft. (Das Wappen wurde nach vorausgegangener Bürgerbefragung vom Bezirksrat am 25.April 2007 als Bezirkswappen angenommen.)

Die Grenze der Weststadt

 


Berichte aus der Zeitung

Ausländische Flüchtlinge zogen um
Wohnungen im Siedlungsgebiet „An der Rothenburg“ anstelle von Kasernenunterkünften
BZ 29.12.1961

Einige der wenigen Braunschweiger Einwohner, die sich über die Kälteperiode vielleicht ein bißchen freuen, wohnen südöstlich der Broitzemer Straße und sind die ersten in der „Weststadt“. Vor Wochen haben die ausländischen Flüchtlinge, die sich bisher mit den Kasernen an der Broitzemer Straße als Unterkunft zufrieden geben mußten, die dreistöckigen Mietshäuser im Gebiet „An der Rothenburg“ bezogen. Mit Bangen denken sie an das Tauwetter; denn dann wird der noch knochenharte Lehmboden, der sich zum Teil als Hügel zwischen den Fahrbahnen und den neuen Häusern erhebt, in einen Morast verwandelt.

Mit Recht wurde also eine der Straße in dem neuen Wohngebiet „Am Lehmanger“ genannt. Der Name bot sich auf Grund der Gemarkungsbezeichnung geradezu an.
Aber bereits jetzt hoffen die Bewohner, in einem Jahr nur noch durch das Straßenschild an den Bauuntergrund erinnert zu werden. Im Spätherbst 1962 sollen nämlich bereits alle Mietshäuser der „Weststadt“ fertiggestellt sein und die Anlagen im Gebiet „An der Rothenburg“ gepflegt aussehen.
„Die Stadt Braunschweig hat sich auf das Tempo der Wohnungsbauunternehmen eingestellt“, teilt Amtmann Nimmerrichter vom Liegenschaftsamt zuversichtlich mit. Er glaubt, daß auch die Errichtung der Eigenheime am Rand der geplanten Siedlung mit dem Bau der Mietshauser wird Schritt hallen können.
Während ein Teil der Wohnungen für ausländische Flüchtlinge bereits bezogen worden ist, wurde mit der Erschließung des Geländes nordöstlich davor in Richtung Broitzemer Straße im Herbst begonnen. Der Standort der Schule für die Weststadt liegt ebenfalls fest.
Amtmann Nimmerrichter meint jedoch: Wann mit dem Bau der Schule begonnen wird, läßt sich noch nicht voraussagen.“

Insgesamt zwanzig Wohnungsunternehmen sind an dem Projekt „Weststadt“ beteiligt. Etwa 1700 Mietwohnungen in zwei-, drei- und vierstöckigen Häusern sind geplant. Zu ihnen gehören etwa 300 Wohnungen für Facharbeiter. Hinzu kommen etwa hundert Eigenheime in diesem Gebiet. Läden, ein Verwaltungsgebäude, ein Jugendheim und fünf Gemeinschaftsgaragenanlagen und eine Tankstelle werden die Siedlung vervollständigen. An die Anlage eines Sportplatzes ist ebenfalls gedacht. Voraussichtlich wird auch eine katholische Kirche gebaut.
Auf dem ehemaligen Flugfeld auf beiden Seiten der Broitzemer Straße bis hart an die Kreisgrenze sollen insgesamt etwa 300 Eigenheime gebaut werden. Das 28 Hektar große Gelände gehörte bisher dem Bund. Die Bundesvermögensverwaltung übergab der Stadt Braunschweig 23 Hektar im Erbbaurecht und fünf Hektar als Eigentum. Als Entschädigung erhielt der Bund von der Stadt den Truppenübungsplatz Cremlingen.

Die ausländischen Flüchtlinge waren froh, daß sie bereits vor Weihnachten ihr neues Heim „An der Rothenburg“ beziehen konnten. Die Bewohner fürchten sich aber nicht nur vor dem warmen Wetter, das innen viel „Matsch“ bescheren wird. Allein die Frage des Heimweges von der Innenstadt zu ihrem Haus ist recht heikel. Keine Straßen-laterne erhellt das abgelegene Gebiet. Dadurch fehlt den Heimkehrenden das Gefühl der Sicherheit. Ein Trost bleibt den Bewohnern jedoch: Die Häuser wurden bereits an die Müllabfuhr angeschlossen.


Wohnungen für 1100 Ausländer

Das Lager an der Broitzemer Straße wird aufgelöst
BZ 22.03.1963

Für die 1100 Menschen Im Ausländerlager an der Broitzemer Straße In Braunschweig beginnt eine neue Zukunft: bis zum Jahresende werden für sie in Braunschweig, Wenden, Wolfenbüttel und Schapen 353 neue Wohnungen bezugsfertig sein. Der Bau dieser Wohnungen wurde aus Landes- und Bundesmitteln sowie mit Geldern der Flüchtlingshilfe der Vereinten Nationen finanziert.
Gegenwärtig wird bereits an 169 Wohnungen am gearbeitet. In Wolfenbüttel sind es 72, in Wenden 39, in Schapen und in Broitzem 76. Noch im Laufe dieses Sommers wird ein Teil der Lagerinsassen seine neue Wohnung beziehen können. Der Wohnunqsbau wurde so zinsgünstig finanziert, daß die Mieten niedrig ausfallen werden. Die Stadt Braunschweig ist wegen ihres Mangels an Baugelände nicht dazu in der Lage gewesen, alle Ausländer, unter denen sich viele wertvolle Arbeitskräfte befinden, im Stadtgebiet zurückzuhalten.

Nicht alle der 1100 Lagerbewohner - die meisten stammen aus Polen - sind von der Aussicht erbaut, ihr Domizil in einer gegenüber der bisherigen Unterkunft komfortablen Neubauwohnung aufzuschlagen. Das Lager, in das sie nach Ende des Weltkrieges mit Sack und Pack eingezogen waren, ist ihnen zur zweiten Heimat geworden. Im Lager hatten sie eine landsmännische Umgebung gefunden, in der sie sich geborgen fühlten. Ganz davon abgesehen, daß sie für den Quadratmeter Wohnraum nur 60 Pfennig Miete zu zahlen brauchten.
Das Lager hatte sich zu einem Dorf mit eigenen Geschäften und Handwerksbetrieben entwickelt. Es gab auch eine Lagerschule - eine Zweigstelle der katholischen Schule Hohestieg - in der die Jungen und Mädchen der Lagerinsassen unterrichtet wurden.
Nach dem vierten Volksschuljahr konnten die Schüler auch in der polnischen oder ukrainischen Sprache unterwiesen werden.